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„ Gustav II. Adolf „ in Erfurt

÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷  Zusammenfassung des gesammten Textes  ÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷÷


Vor unserem geistigen Auge ersteht das Erfurt im Sommer des Jahres 1631.

Am 2. Oktober 1631, einem Donnerstag, den Professor Alfred Kichhoff in dem von Doktor Lorenz 1883 herausgegebenen Lutherfestalmanach einen unvergeßlichen Gedenktag der Erfurter Geschichte nennt, traf Gustav Adolf selbst mit seiner Armee am Andreastore ein.

Am 1. Tag

„Kopf an Kopf gedrängt", so schreibt Kirchhoff, „beharre seit Mittag die Volksmenge in den Straßen, welche vom Andreastor zum Domplatz führen. Da dröhnt um die vierte Stunde feierlich ehren ein Willkommensgruß vom Dom herab, wie ihn erhabener keine Stadt in weiter Ferne zu rufen vermag: Maria Gloriosa hallt tief auskling- end ihr Salve ! dem großen Ketzerkönig entgegen; und im wohlgestimmten Chor fallen alle anderen Glocken ein. Bald mischen sich schmetternde Fanfaren in jene feierliche Weise, es erglänzen die Waffen, die vor 14 Tagen den blutigen Sieg über die Päpstlichen errungen, es wehen die stolzen Fahnen, an die der Erfurter nun sein eigen Schicksal geknüpft weiß, und jetzt übertönt tausendstimmiger Jubel selbst das hereinrasseln der Geschütze: an der Spitze seiner finnischen Panzerreiter erblickt man den Heldenkönig. Wie einfach und doch wie herzgewinnend seinen Erscheinung! Auf seinem Schlachtroß reitet er daher, im Elenskoller mit grauem Hut und grüner Feder; eine kräftige Gestalt im blühenden Mannesalter, wohl um Haupteslänge die Anderen überragend, dem geistvollen frischen Antlitz mit blondem Haar verleiht der starke Bart der Oberlippe, der spitze Kinnbart und die Adlernase Majestät genug; aber wie freundlich blicken die lichtblauen Augen grüßend auf das treuherzig entgegen jauchzende Volk herab, wie stürmisch erhöht sich der Jubel der hüteschwenkenden, tücherwehenden und Kränze aus den Fenstern über die nordischen Helden schleudernden Massen, als Sie deutsche Grußworte aus dem Munde dieses Schwedenkönigs vernimmt".

Den Klang dieser Glocke können Sie hören , wenn sie auf dieses Bild klicken

Die Andreas Straße vom Domplatz aus gesehen  

      Die Gloriosa


Bald ist der Zug vor der Geraden angekommen; vor der „Hohen Lilie", dem damals ersten Gasthof der Stadt, macht er halt.

Die Hohe Lilie vom vorn ...von der Seite ist der Dom gut zu sehen

Ehrerbietig empfing ihn bei Eintritt in dasselbe Haus wo einst Luther, verkappt als Junker Jörg, verkehrt hatte, der ehrwür- dige Oberratsmeister des Jahres, Heronimus Brückner, mit dem gesamten Rat zur Begrüßung; der König dankt mit herzgewinnenden, über die Zukunft der Stadt beruhigenden Worten. Es war ein schönes Bild, der große Schwedenkönig und Retter des Protestantismus in Deutschland begrüßt von dem Oberhaupte der Lutherstadt und treuem Bekenner des Evangeliums, einem der hervorragendsten Männer, die je die Stadt Erfurt geleitet haben. Von seiner Frömmigkeit ist ein Beweis, daß er sich nie auf das Rathaus begab, ohne vorher sein Anliegen auf den Knien vor Gott ausge- schüttet zu haben. Die Seinigen ermahnte er:„Was ihr tut, seht zu, daß ihr einen gnädigen Gott habt, so ist euch in allem geholfen." Für seine Tüchtigkeit spricht der Umstand, daß der Herzog von Weimar ihn zu seinem Rat und der Reichskanzler Drenstierna ihm zum Prokanzler an der Universität ernannte.

Nach freundlicher beruhigender Zusprache zu Brücken und den übrigen Ratsherren begab sich Gustav Adolf in seine Gemächer.

Doch lange ist sein Verweilen nicht, bald sieht man ihn an der Spitze seines Generalstabes - in dem sich auch der spätere so berühmt gewordene Erfinder der Luftpumpe und Bürgermeister Magdeburgs, Otto von Guericke befindet - hinauf auf den Petersberg reiten; will er doch diese natürliche Zitadelle Erfurts so befestigen, das Erfurt nicht allein Basis et fundamentum für die Verteidigung Thüringens, sondern ein Bollwerk - oder wie man damals sagte propugnaculum - Mitteldeutschlands, ja die beherrschende Stadt für alle seine Operationen in Deutschland werden.

Hier erlebte er eine zweite Begrüßungsszene: die Vertreter des katholischen Klerus haben sich an dem Peterskloster niedergeworfen, um den Sieger über die katholische Sache um Gnade zu flehen. Der König hört die Worte des Klosterabtes entblößten Hauptes an. Er begrüßt dann noch besonders die beiden Vertreter des Jesuiten - Kollegiums und begibt sich nun ins Kloster selbst. Hier versichert er, er werde den Katholiken Erfurts kein Haar krümmen, falls Sie geloben würden, wider Ihm und seinen Verbündeten nichts zu unternehmen, solange der Krieg dauere.

Am 2. Tag
Am folgenden Tage ( 3. Oktober ) reichte die katholische Geistlichkeit das verlangte Gelöbnis ein. Der König aber besichtigte nun auch die Stadt selbst auf Ihre Befesti- gungsfähigkeit hin, er verfügte, daß die Brustwehren, die Schutztürme und die Schleusen an der Kräuser Mühle Verstärkung erführen, faßte neue Festungsanlagen ins Auge, sowie eine Unterwassersetzung des flachen Vorlandes im Südwesten der Stadt, d.h. des heutigen Dreibrunnens. Auch die Cyriaksburg wurde besichtigt. des flachen Vorlandes im Südwesten der Stadt, d.h. des heutigen.

3. Tag
Am dritten Tag, einem Sonnabend, versammelten sich die gesamten Vertreter der Stadt Erfurt, also die 5 Räte und die Vormünder von den Vierteln, den Handwerkern und den Gemeinden vor den Toren in der Hohen Lilie. Gustav Adolf hielt eine - wie es heißt - majestätische, sehr zierliche und denkwürdige Rede. Vor Gott, so erklärte, könne er bezeugen, daß ihm nicht die Lust an Eroberungen nach Deutschland getrieben habe, sondern das Erbarmen mit seinen Glaubensgenossen. Es müsse nun ein Jeder zur Abwendung der Gefahr mit andächtigen Gebet auch das Seinige tun. Die Stadt aber müsse nun eine Schwedische Besetzung aufnehmen. - Hierauf erfolgte der Huldigungseid. Der Rat gelobte, solange dieser Religionskrieg dauere, dem König und seinen Verbündeten treu zu bleiben. Dann stellte der König der Stadt einen Schutzbrief aus, in dem er ihr alle ihre Rechte ausdrücklich bestätigte und ihr seine größere Garnison zuzumuten verhieß, als es „unserer und gemeiner Stadt Sicherheit, auch ratio belli erheische", ferner die Versicherung gab, dafür zu sorgen, daß die Stadt im allgemeinen Friedensschluß „namentlich" aufgeführt würde, d. h. zu den freien Reichsstädten gezählt werden solle. Was bisher seinem Feinde, dem Erzbischof von Mainz gehört habe, so schloß er, sei jetzt auf Grund des Eroberungsrechts sein Eigentum, so auch der Mainzische Hof, der nunmehr der Schwedische heißen solle.

Am 4. Tag
Am vierten Tage, einem Sonntag fand in der „Hohen Lilie" für den König und seine Umgebung ein Gottesdienst statt. Sodann wurde die Militär- und Zivilverwaltung geordnet. „Gouverneur und Statthalter über die Stadt Erfurt" wurde der Verbündete des Königs, Herzog Wilhelm von Weimar, der ältere Bruder des später so berühmt gewordenen Bernhard von Weimar; er schlug seine Residenz im Weißen Löwen" - (Anger 10) - auf, im heutigen Hegelmannischen Hause, daß damals im Besitz der Kranichfelds war; unter ihm und zugleich unmittelbar unter König Gustav Adolf sollte das Militärkommando der Graf von Löwenstein ausüben, Residenz aber, d.h. Inhaber der Zivilverwaltung, sollte Dr. Jacob von Steinberg sein, der seine Wohnung neben der des Herzogs Wilhelm im Hause Anger 11, d.h. im Zum Schwarzen Löwen, der heutigen Keyserschen Buchhandlung erhielt.

Der König eroberte sich in diesen Tagen die Herzen der Erfurter im Fluge. überall, wo er sich zeigte, riß er sie hin durch seine natürliche und treuherzige Liebenswürdigkeit. Man erzählte sich noch lange allerlei z.T. drollige Geschichten von seinem leutseligen Verhalten gegen die Bürgersleute. Am bekanntesten ist die niedliche Erzählung von seiner „Erhebung" in den Sattler- oder Riemer-Stand.

Sie spielte sich etwa folgendermaßen ab:

Um nach seinen Pferden zu sehen, begab sich von ungefähr der König aus seiner Wohnung, der „Hohen Lilie", in das Nachbarhaus „zum Propheten" (das im Jahr 1804 den Namen „Gasthaus zum Thüringer Hof" erhielt). Da vernahm er aus einem Zimmer ein merkwürdiges Stimmengewirr. Neugierig öffnete er die Tür zu diesem Raum, trat ein und fragte, was denn hier sich zutrage. Man bedeutete dem Eindring- ling, es handle sich um eine wichtige Sache: Die Riemer-Innung sei versammelt, um einen der Ihrigen zum „Ritter" zu schlagen, diesem Akte dürfe aber nur der beiwohnen der selbst Ritter ihrer Zunft währe. Das hieß so viel wie : „Du hast hier nichts zu suchen, und wenn du der große Held Gustav Adolf bist." Das machte den König nur noch neugieriger und reizte ihn, die Schwierigkeit dieser Situation zu über- winden, - es war eine lustige Aufgabe für den geschulten Diplomaten. „Wie" rief er, „wenn Ihr mich auch zu Eurem Ritter schlüget ? Ich möchte gar zu gern einer werden !" Schnell entschlossen ging man darauf ein. Und nun begann eine lange, mit vielen merkwürdigen Zeremonien verbundene Handlung, zum Schluß erfolgte der feierliche Ritterschlag, die Darreichung des Willkommenbechers, schließlich die Aufforderung, nun auch das herkömmliche „Gesellen" Geschenk zu zahlen, damit der König ein ganz regelrechter „Ritter" oder „Geselle" werde. Auf alles ging der Königsheld in der launigsten Weise ein. Und um zu beweisen, daß er die erwiesene Ehre zu schützen wisse, schenkt er dann der Innung zur Erinnerung an ihn ein ovales vergoldetes Schaustück, das auf der einen Seite sein Brustbild mit dem Lorbeerkranz des Siegers, auf der anderen das Schwedische Wappen (einen Löwen mit dem Schwerte) und der Unterschrift:

„ Gott und den Siegreichen Waffen 1631,"

am 5. Tag
Am fünften Tage seines heiligen Aufenthaltes, am Montag, dem 6. Oktober, morgens zwischen 8 und 9 Uhr, sah man den König aus der „Hohen Lilie" herausreiten auf den Platz „vor den Graden", wo alle Schwedischen Truppen, soweit sie in Erfurt gelegen hatten, in Aufstellung zum Abmarsch. Da wurde ein schwedischer Reiter vorgeführt, der mehrfach gestohlen und geplündert hatte. Gustav IIAdolf, der strenge Hüter der militärischen Zucht und Ordnung, war empört über dies Vergehen gegen die Erfurter Bürger; um ihnen zu zeigen, wie ernst es ihm damit sei, daß sie in keiner Weise geschädigt würden, lies er kurzer Hand den Delinquenten am sog. Gack, einem Galgen in der Nähe der „Hohen Lilie", aufhängen. Dann ging es mit klingendem Spiel durch die Domstraße, und von da weiter über den Thüringer Wald in den Süden.

Sein Ergebnis war, daß die Stadt Erfurt ä u ß e r l i c h, d.h. militärisch und politisch, nunmehr in der Hand des Königs war er sie, d.h. die Bürgerschaft, aber auch innerlich gewonnen hatte.

Ganz folgerichtig ging der König auf diesem eingeschlagenen Wege in Bezug auf unser Erfurt Schritt für Schritt weiter. Zunächst galt es, ein wirkliches Bollwerk herzustellen. Es wurde fieberhaft eilig an der Befestigung der Stadt gearbeitet, mehr wohl, als jemals vorher oder nachher. Erfurt wurde damals aus einer mittelalterlichen befestigten Stadt zu einer modernen Festung. Gleich nach dem Abmarsch des Königs arbeiteten unter dem Erfurter Festungsbaumeister Vogel täglich 600 Mann daran, das Hornwerk auf dem Petersberg zu befestigen; auf der Südwestseite der Stadt, zwischen Löber- und Brühlerwall, wurden große Stadtschleusen angelegt, sämtliche Tore erhielten Zugbrücke, die Wälle wurden mit Brustwehren versehen, hinter denen etwa 100 Kanonen Aufstellung fanden, Palisaden wurden überall errichtet,namentlich an den Toren. Die Cyriaksburg erhielt 30 Kanonen. Vor dem Andreastor legte man ein Bollwerk an, dagegen wurde das Rondell, das damals vor dem Äußeren August- und Spielbergstor, also der heutigen Bahnhofsbrücke lag, verschüttet und dadurch das ganze Tor für immer ungangbar gemacht. Das Dörflein Daberstedt wurde, um der Sicherheit der Stadt willen dem Erdboden gleichgemacht, zu aller letzt die Kirche, deren Glocke noch einmal angeschlagen wurde, um den Ort zu Grabe zu läuten.

 

- Die Stadt war jetzt allen Angriffen der Zeit gewachsen. Aber i n n e r l i c h, d.h. in der Gesinnung der Bürgerschaft sollte sie es werden. Denn der Gouverneur und Statthalter Erfurts, Herzog Wilhelm von Weimar, Gustav Adolfs Verbündeter, Anstoß erregte, indem er die Bürger- schaft und insbesondere die katholische Geistlichkeit schwer und zum Teil ungerecht besteuerte -, der König selbst suchte sie zu schonen und ließ an den Herzog eine Mahnung nach der anderen in diesem Sinne ergehen; ja er sandte, um den Erfurtern die besondere Zuneigung seines Hauses zu zeigen, seine eigene Gemahlin in die Stadt.

Am Silvestertage 1631 erschien sie mit großem Gefolge zog sie durch das Schmidtstedter Tor, das 110 Jahre vorher den Einzug Luthers erlebt hatte, in die Stadt ein. Alle Glocken läuteten, vom Petersberg und von den Wällen her donnerten die Geschütze. Bürgerschaft und Garnison - fünf Regimenter lagen in der Stadt - bildeten Spalier. Der Zug ging nach demselben Hause, in dem ihr Heldengemahl gewohnt hatte, nach der "Hohen Lilie".

Am nächsten Tag, Neujahr 1632 begab sich die anmutige hoheitsvolle Erscheinung der Königin in den Dom, wo man sie beten sah. Wie ihr großer Gemahl, so gewann auch sie alle Herzen. Man wollte ihr ein Geschenk überweisen, wie die Stadt den hohen Gästen gegenüber stets gewohnt gewesen war. Mit den Worten: "Hätte Erfurt noch Geld übrig, so bedürfe es dessen gewiß selbst", lehnte sie freundlich das Anerbieten ab. Wohl aber nahm sie die schöne Bibel an, die ihr gleichzeitig dargeboten wurde. - Lange freilich verweilte sie damals nicht in unseren Mauern. Bereits am nächsten Tag, dem 2.Januar, zog sie nach dem Süden weiter in das Heereslager ihres Gemahls. Als dieser hörte, daß die Erfurter sich durch den habgierigen Herzog Wilhelm bedrängt fühlen, sandte er zum 1.April einen seiner besten Beamten, Alexander Esken, nach Erfurt, der den Auftrag erhielt, als "Königlicher Statthalter" zunächst einmal das ganze Finanzwesen zu übernehmen. Dieser taktvolle Mann wußte ganz anders mit der Bürgerschaft umzugehen als Herzog Wilhelm und viel wieder gut zu machen, was jener verdorben hatte. Ein weiterer Schritt, der die Stadt innerlich für Gustav Adolf, d.h. für die evangelische Sache gewinnen sollte, war der, daß der König ihr zu Neuorganisation und Wiederbelebung der Universität, der einst so gewaltigen Hochburg der Wissenschaft für Deutschland, verhelfen wollte, um damit es zu erreichen, daß in Erfurt eine Hochburg der Evangelischen Sache für Deutschland überhaupt errichtet würde. Schon am 10.September 1632 war die Kommission, die er zu diesem Zwecke eingesetzt hatte, daß sie dem König eine Denkschrift vorlegen konnte, die einen tiefen Eindruck auf ihn hervorrief; in der Stadt selbst kam es am 20.September zu einer großartigen Feier, wie es hieß, zur "Wiederauferstehung" der Universität, und zwar, was das Wichtigste war, als einer evangelischen. Besonders Bemerkenswert war es, daß die katholischen genötigt sahen, zu dieser Feier den Dom hergeben zu müssen, die Hauptkirche der Stadt. Man sah da im Chor die Aufführung der sieben { planetae }, danach hielt die Weiherede der große Jurist und ehemalige Rektor des evangelischen Ratsgymnasiums Dr. Henning Renneman. Den offiziellen Festaktes folgte ein großes Festmahl des gesamten Lehrkörpers in der "Hohen Lilie". Am zweiten Tage hielt die Gesamt - Universität einen Umzug um die Kavaten unter Absingung des bei den Katholiken so verhaßten Lutherlieden:" Erhalt uns Herr bei diesem Word und steur' des Papst's und Türken Mord."

Also militärisch - politisch, wie geistig - wissenschaftlich schien Erfurt durch Gustav Adolf der Hauptstützpunkt für die evangelische Sache zu werden. Da erschien der große König zum zweitenmal in Erfurt.

Er war am 6.Oktober 1631 aus Erfurts Toren nach dem Süden gezogen, um in einem Siegeszug ohne gleichen ganz Süddeutschland in seine Gewalt zu bringen. Bald war Tilly endgültig über- wunden und zu Tode verwundet, dann war Wallenstein von der geängstigten katholischen Partei wieder geholt worden und hatte, nach dem er den Angriff des Schwedenkönigs bei Führt bestan- den, sich gegen das Kurfürstentum Sachsen, das sich ja der evangelischen Partei eng angeschlossen hatte, gewandt, um Gustav Adolf nach Norden nachzuziehen. Um die Nieder- werfung Kursachsens zu verhindern und die Pässe des Thüringerwaldes, die bereits von Wallensteinschen und Pappenheimer Reitern besetzt zu werden drohten, zu retten, eilte der Schwedenkönig jetzt in Gewaltmärschen herbei. Am 18. Oktober stand er noch an der Donau bei Neuburg, am 31. Oktober war er bereits in Schleusingen, und am 2. November langte er in Arnstadt an, wo er sich mit Bernhard von Weimar vereinigte; als dann noch die Truppen des Landgrafen von Hessen eingetroffen waren, erfolgte Sonntag, den 7. November, der Abmarsch von Arnstadt auf Erfurt zu. Östlich der Stadt, bei Melchendorf, und nach Norden zu sammelte sich die Armee, um 5 Uhr nachmittags hielt der König durch das Krämpfertor seinen Einzug. über den Anger ging es nach den Graden, wo die gesamte Bürgerwehr in acht Fähnlein Aufstellung genommen hatte. Nach dem der König sie begrüßt, nahm er wieder in der "Hohen Lilie" Wohnung, wo sich seine Gemahlin bereits eingefunden hatte. Am Abend verhandelte er mit dem fieberkranken Herzog Wilhelm und später mit dessen Bruder Ernst über militärische Lage. Just wie Napoleon im April 1813 zu seinem Frühjahrsfeldzuge, der in Richtung Leipzig angesetzt wurde, traf auch Gustav Adolf seine Anord- nungen so, daß eine Entscheidung bei Leipzig in Aussicht genommen wurde. Diese Stadt wurde nämlich von Wallenstein bedroht; die Vereinigung der Truppen Wallensteins und derjenigen Pappenheims, die im Westen Deutschlands sich gesammelt hatten, galt es zu verhindern, bzw. vorher Wallenstein schleunigst anzugreifen. So brach der König schon am 9. November auf, nach dem er Tags zuvor noch der Bürgerschaft einige wesentliche Erleichterungen verschafft hatte: er hatte nämlich bestimmt, daß von nun an nicht mehr der schwedische Stadtkommandant, sondern der Rat die Quartiere zu verteilen und anzuweisen hatten. Es war in der Frühe des Tages, als er seine Gemahlin den letzten Kuß auf die heißen Lippen drückte. "Der bange, gepreßte Abschied - so hat es Schiller in seiner Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, und zwar vielleicht hier in Erfurt in seiner Wohnung auf der Langen Brücke geschrieben.

- der bange, gepreßte Abschied deutete auf eine ewige Trennung." Die Abschiedszene vollzog sich wohl in der "Hohen Lilie", wo der König bisher gewohnt hatte, vielleicht aber auch in einem anderen Hause. Der König hatte nämlich, nachdem er zuvor sie in einer besonders warmherzigen Ansprache der Stadt anvertraut hatte, eine andere Wohnung für sie in Aussicht genommen, nämlich das Haus zum "Schwarzen Löwen" auf dem Anger Nr. 11. Er hatte den Umzug deshalb herbeigeführt, weil dies Haus neben der schwedische Statthalterei lag, die im Hause zum " Weißen Löwen ", sich befand. Dort glaubte er seine Gemahlin am gesichertsten. Für alle Fälle hatte er sogar einen Mauerdurchbruch zwischen beiden Häusern befohlen.

Es begab sich der König nun auf den Weg nach jenem Schlachtfelde, das ihm zugleich den Sieg und den Tod bringen sollte. Nach der Überlieferung ritt er durch das Schmidtstedter Tor und gab dem auf dem Johannesfeld versammelten Heere den Befehl zum Abmarsch in der Richtung auf Leipzig. Erst bezog er in Buttstädt, dann in Naumburg Quartier. Am 15. November ging es weiter nach Lützen. Hier fiel am folgenden Tage die Entscheidungsschlacht. So glorreich wie der Kampf für die Schwedischen Waffen war - der Tod des Königs war das furchtbarste Ereignis, das sie und die ganze evangelische Sache treffen konnte. "Nie hatte eine Todesfall in einem ganzen Weltteil tiefen Eindruck hervorgerufen", so sagte ein großer Geschichtsschreiben. In der Tat: Die bei weitem bedeutendste Persönlichkeit des ganzen Krieges war dahin.

 

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